Weitblick

Königin der
Feldfrüchte.

Innovation mit Wurzeln.

Die Zuckerrübe zählt zu den ertragsstärksten Ackerkulturen der gemäßigten Klimazonen. Doch Klimawandel, Vorgaben zur Reduktion von Pflanzenschutzmitteln sowie Krankheiten wie Cercospora oder der neu auftretende SBR-RTD-Krankheitskomplex stellen den Anbau vor Herausforderungen. Wie gelingt es, die Zuckerrübe auch künftig ertragsstark und widerstandsfähig zu halten? Ein Blick auf eine Kulturart, an der KWS seit 170 Jahren zeigt, was Pflanzenzüchtung leisten kann.

Weltweit
werden heute
auf rund
4,1 Mio. ha
Zuckerrüben angebaut.

Mitte des 19. Jahrhunderts begann in der Magdeburger Börde eine Erfolgsgeschichte, die die Zuckerrübe bis heute prägt. In Klein Wanzleben erkannte Matthias Christian Rabbethge früh ihr Potenzial und erwarb 1856 die Mehrheitsanteile an einer Zuckerfabrik. Bereits zwei Jahrzehnte später hatte die Saatgutproduktion die Zuckerherstellung als Kerngeschäft abgelöst. Das besondere Verständnis für die Anforderungen von Anbau und Zuckerherstellung prägt KWS bis heute.


Eine Kulturart, die Maßstäbe setzt

Die Leistungsfähigkeit der Zuckerrübe hat sich in den vergangenen 170 Jahren grundlegend verändert. Lag der durchschnittliche Zuckerertrag pro Hektar in Deutschland um 1860 noch im unteren einstelligen Tonnenbereich, kann er heute mehr als 13 Tonnen erreichen.

Für Jens Christoph Lein, Leiter der Zuckerrübenzüchtung bei KWS, liegt dies auch an der bemerkenswerten Entwicklungsfähigkeit der Kulturart: „Kaum eine andere Kulturart bietet so viele züchterische Optionen wie die Zuckerrübe“, sagt der Experte. „Dass wir in Züchtung und Forschung umfassende wissenschaftliche und technische Möglichkeiten haben und daraus Produkte entwickeln, die unseren Kundinnen und Kunden im Markt echten Mehrwert bieten, macht für mich ihre Faszination aus.

Die Zuckerrübe muss ihren Mehrwert in der Fruchtfolge immer wieder beweisen. Deshalb arbeiten wir gleichzeitig an höherem Zuckerertrag, besserer Blattgesundheit und zusätzlichen Resistenzen.

Jens Christoph Lein |
Leiter der Zuckerrübenzüchtung bei KWS

Neue Risiken, neue Herausforderungen

Diese züchterischen Möglichkeiten stehen heute besonders im Fokus. „Der Klimawandel verändert die Rahmenbedingungen. Neue Schaderreger breiten sich aus, und gleichzeitig gibt es regulatorische Einschränkungen beim Pflanzenschutz. Deshalb müssen wir die Pflanzen selbst widerstandsfähiger machen“, sagt Jens Christoph Lein. In vielen Anbaugebieten zählt Cercospora heute zu den wirtschaftlich folgenreichsten Krankheiten der Zuckerrübe. Sie wird durch den Pilz Cercospora beticola verursacht, der sich unter warmen und feuchten Bedingungen rasant ausbreiten kann. Die Folge: erhebliche Ertrags- und Qualitätsverluste.

Hinzu kommen in Mittel- und Südosteuropa SBR (Syndrome Basses Richesses) und RTD (Rubbery Taproot Disease). Die Erreger werden vor allem durch die Schilf-Glasflügelzikade übertragen. SBR führt zu großflächigen Vergilbungen und sinkenden Zuckergehalten. RTD macht die Rübe zur sogenannten Gummirübe und schwer zu verarbeiten. Der Krankheitskomplex setzt den Anbau in einigen Regionen Europas stark unter Druck.

KWS Background

Mehr Kontrolle im Feld.

Moderne Zuckerrübenzüchtung konzentriert sich nicht nur auf positive Sortenmerkmale. Sie ermöglicht auch integrierte Lösungen, bei denen Sorte, Pflanzenschutz und Anbaumanagement ineinandergreifen. Ein Beispiel ist das CONVISO® SMART System.

Gerade bei Zuckerrüben spielt die Unkrautregulierung eine wichtige Rolle: Die Pflanzen weisen eine langsame Jugendentwicklung auf und sind daher in dieser Phase besonders anfällig für Konkurrenz durch Unkräuter. Das CONVISO® SMART System verbindet speziell von KWS entwickelte Zuckerrübensorten mit einem darauf abgestimmten und breit wirksamen Herbizid, das zuvor in dieser Kulturart nicht zur Verfügung stand. Dadurch lassen sich auch schwer zu kontrollierende Unkräuter eindämmen, die sonst den Ertrag beeinträchtigen würden.

Starke Antworten aus der Züchtung

Die Züchtung bei KWS verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz: Mehr Zuckerertrag pro Hektar bleibt das zentrale Ziel, reicht allein aber nicht aus. Moderne Sorten müssen zugleich widerstandsfähiger gegen Krankheiten und Schädlinge werden und unter unterschiedlichen Anbaubedingungen zuverlässig Leistung bringen. Doch Fortschritt entsteht nicht von heute auf morgen. „Zwischen der Identifizierung einer vielversprechenden Eigenschaft und einer marktfähigen Sorte liegen häufig 15 oder mehr Jahre Forschungs- und Züchtungsarbeit“, erklärt Jens Christoph Lein. Die KWS Zuckerrübenzüchtung deckt dabei mit ihren Programmen ein breites Spektrum ab – von Cercospora sowie SBR und RTD bis zu Vergilbungsviren und bodenbürtigen Pilzen wie Rhizoctonia.

Bei Cercospora zeigt sich besonders deutlich, welchen Beitrag langjährige vorausschauende Züchtungsarbeit für den Anbau leisten kann. KWS Sorten mit CR+ Genetik werden inzwischen auf mehr als 500.000 Hektar in Europa und Nordamerika angebaut und bieten selbst bei hohem Befallsdruck stabile Erträge. In Kombination mit einer angepassten Anbaustrategie bilden sie einen wichtigen Baustein im integrierten Krankheitsmanagement. Weil Cercospora beticola sehr anpassungsfähig ist, entwickelt KWS den Ansatz konsequent weiter und arbeitet bereits an der nächsten Generation von Resistenzlösungen.

Good to know

Die heimische Zuckerheldin.

Rund 20 Prozent des weltweit produzierten Zuckers stammen heute aus Zuckerrüben. Während Zuckerrohr vor allem in tropischen und subtropischen Regionen als mehrjährige Monokultur angebaut wird, ist die Zuckerrübe die wichtigste heimische Zuckerpflanze der gemäßigten Klimazonen. Sie liefert hauptsächlich Zucker, ist aber auch als Energieträger und im Futtermittelbereich gefragt.

Auch bei SBR und RTD hat die KWS Züchtung in kurzer Zeit wichtige Fortschritte erzielt. Mit Sorten wie JOSEPHINA KWS, MARABELLA KWS oder ELSABELLA KWS stehen mittlerweile Produkte zur Verfügung, die speziell für betroffene Regionen entwickelt wurden und auch unter Befallsbedingungen eine hohe Leistung zeigen.

Bei der Entwicklung von Lösungen orientiert sich die Züchtung jedoch nicht allein an den Anforderungen des Anbaus. Auch der enge Austausch mit den Zuckerproduzenten und weiteren Unternehmen der Lebensmittelbranche liefert wichtige Impulse. „Wir diskutieren fast auf täglicher Basis: Was wird eigentlich in den unterschiedlichen Märkten gebraucht?“, sagt Jens Christoph Lein. KWS gelingt es immer wieder, bei zentralen Merkmalen wie Saftqualität und Zuckergehalt ein sehr hohes Niveau zu erreichen.

KWS Background

Die Zuckerrübe in Zahlen

Quellen: BLE, Bericht zur Markt- und Versorgungslage Zucker 2026; WVZ/VdZ, zuckerverbaende.de

Die Kraft der wilden Verwandten

Wichtige Antworten auf die Herausforderungen von morgen finden Züchterinnen und Züchter auch in Wildrüben der Art Beta maritima. Diese können genetische Eigenschaften tragen, die im Zuchtmaterial noch nicht vorhanden sind, etwa Widerstandskraft gegen bestimmte Krankheiten, Hitze oder Trockenheit. Bereits die von KWS entwickelten Resistenzen gegen Rizomania, Nematoden und Cercospora gehen auf solche genetischen Ressourcen zurück. „Wir investieren seit Jahren in die Erforschung der Wildrüben und sehen dort sehr viel Potenzial für die nächste Generation von Sorten“, erklärt Jens Christoph Lein.

Von den ersten Züchtungsarbeiten in Klein Wanzleben bis zu modernen Hochleistungssorten hat sich die Zuckerrübe immer wieder verändert. Die nächsten Kapitel dieser Erfolgsgeschichte werden bereits geschrieben: auf Versuchsfeldern, in Laboren und im engen Austausch mit Landwirtschaft und Zuckerherstellung.

History

Der Weg zur modernen Rübe

Ihren Durchbruch als Zuckerpflanze verdankt die Zuckerrübe auch Napoleon. Als seine Kontinentalsperre Anfang des 19. Jahrhunderts den Import von Rohrzucker erschwerte, war Zucker aus heimischen Rüben plötzlich gefragt. Die Grundlage dafür hatte der Naturwissenschaftler Franz Carl Achard gelegt: Er selektierte besonders zuckerreiche Rüben und machte damit ihre Nutzung für die Zuckergewinnung im größeren Maßstab möglich – ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur modernen Zuckerrübe.