Verlässlichkeit

Bite-Size Spinat

Für die Gabel gezüchtet.

Gemüsezüchtung folgt eigenen Regeln: Anders als bei vielen klassischen Ackerkulturen richtet sie den Blick stärker auf die gesamte Wertschöpfungskette vom Feld über Verarbeitung und Handel bis auf den Teller. Besonders sichtbar wird das beim Babyspinat, der den wachsenden Wunsch nach gesunder Ernährung und mehr Convenience bedient.

Zart, mild im Geschmack, vielseitig – Babyspinat erfreut sich als frische Zutat für Salate, Smoothies und Bowls großer Beliebtheit. In der Züchtung rückt damit ein bestimmtes Merkmal in den Fokus: „Forkability“. Gemeint ist, wie leicht sich die Blätter mit der Gabel aufnehmen und in einem Bissen essen lassen. „Man sieht es im Restaurant oder auch zu Hause: Die Menschen stochern auf dem Teller herum und bekommen die Blätter nur schwer auf die Gabel“, sagt Mark Charlesworth, der bei KWS das weltweite Produktmanagement im Spinat verantwortet.

KWS greift diesen Trend mit seinem Bite-Size Konzept auf, das ein breites Spektrum an Spinatsorten für den Markt frischer Convenience-Produkte umfasst. Deren Blätter erreichen zum Erntezeitpunkt eine mundgerechte Größe sowie eine gleichmäßige Dicke und Knackigkeit. „Der Vorteil ist einfach: Spinat lässt sich leichter essen.“ Doch der Trend zu kleineren Blättern wird nicht allein durch Verbrauchervorlieben geprägt. Eine zentrale Rolle spielt auch der Handel. Kleinere Blätter lassen sich dichter verpacken. Dies ermöglicht kleinere Packungen für dieselbe Inhaltsmenge und damit effizientere Transportbedingungen. „Wenn sich statt 70 plötzlich 100 Packungen transportieren lassen, sinken die Logistikkosten. Und im Regal können mehr Produkte auf derselben Fläche angeboten und verkauft werden.“

KWS Background

Convenience mit Nährwert.

Frisch, gesund und schnell zubereitet: Dieser Wunsch prägt das Kaufverhalten vieler Verbraucherinnen und Verbraucher, insbesondere in den USA und Europa. Entsprechend gefragt sind Produkte, die Convenience und Nährwert verbinden. Babyspinat spielt in diesem Segment eine besonders wichtige Rolle. Obwohl er nur einen vergleichsweise kleinen Anteil am gesamten Spinatabsatz ausmacht, erzielt er einen überproportional hohen Umsatzanteil im Handel. Als nährstoffreiches Gemüse profitiert Spinat zudem vom wachsenden Trend zu Functional Foods, einer Kategorie von Lebensmitteln, die mit Eigenschaften über die reine Grundversorgung hinaus assoziiert werden.

Ein Blatt, viele Ansprüche

Was zunächst nach einer klaren züchterischen Aufgabe klingt, wird in der Praxis schnell komplex: Spinat muss entlang der gesamten Wertschöpfungskette überzeugen. Im Anbau zählen Ertrag, Widerstandsfähigkeit und verlässliche Leistung auch unter wechselnden Bedingungen; in der Verarbeitung geht es um eine stabile und möglichst einheitliche Blattstruktur; der Handel erwartet Haltbarkeit, ein attraktives Erscheinungsbild und effiziente Verpackungsmöglichkeiten.

Und am Ende entscheiden dann die Verbraucherinnen und Verbraucher: Sie greifen zu Produkten, die ansprechend aussehen und zu ihren Ernährungsvorlieben passen.

Balance entlang der Kette

All diesen Anforderungen gerecht zu werden, stellt die Züchtung vor Herausforderungen. Was an einer Stelle gut funktioniert, wird an anderer Stelle zum Nachteil. Spinat mit weichen, glatten Blättern lässt sich gut essen, ist aber empfindlicher in der Verarbeitung. Festere Blätter hingegen durchlaufen Wasch-, Sortier- und Verpackungsprozesse besser, können beim Verzehr aber als weniger angenehm empfunden werden.

Auch die für Bite-Size Spinat typischen kleinen Blätter bringen Zielkonflikte mit sich: Sie erleichtern den Verzehr und senken die Kosten für den Handel, gehen aber in der Regel zulasten des Ertrags im Anbau. „Die Kunst besteht darin, die verschiedenen Anforderungen entlang der Wertschöpfungskette auszubalancieren“, ordnet Mark Charlesworth ein. „Gemüsezüchtung ist immer ein Spiel aus Kompromissen und Zielkonflikten.“

Die Kunst besteht darin, die verschiedenen Anforderungen entlang der Wertschöpfungskette auszubalancieren.

Mark Charlesworth | Internationaler Produktmanager für Spinat

Frisch, mild im Geschmack und schnell auf dem Teller: Babyspinat verbindet hohen Genusswert mit Alltagstauglichkeit.

Hier setzt KWS mit Bite-Size Sorten wie Sodalite oder Amazonite an. Der Ertrag entsteht bei ihnen nicht über große Blätter, sondern über eine höhere Blattzahl. „Babyspinat wird früh geerntet, wenn die Blätter noch klein sind. Der Anbaubetrieb produziert also zunächst weniger Kilogramm. Aber durch die hohe Zahl an Blättern und ihre Struktur kompensieren wir diesen Unterschied.“

In KWS Versuchen zeigen Bite-Size Sorten eine Blattzahl, die etwa 10 bis 20 Prozent über dem Durchschnitt des Portfolios liegt. „Gleichzeitig ist eine gute Textur wichtig: Die Blätter sollten weder zu flach noch zu stark gewellt sein und sauber durch die Verarbeitung laufen, ohne zu brechen oder beschädigt zu werden“, sagt Charlesworth.

KWS Background

Spinat rund ums Jahr.

Spinat ist eine empfindliche Kultur. Gerade Babyspinat reagiert stark auf äußere Einflüsse wie Temperatur, Tageslänge und Wasserverfügbarkeit. Deshalb kann er in der Regel nicht rund ums Jahr an einem einzigen Standort angebaut werden. Die Produktion verlagert sich daher geografisch dorthin, wo jeweils ideale Bedingungen herrschen.

Dies macht eine verlässliche Versorgung über das gesamte Jahr anspruchsvoll: Zentrale Eigenschaften müssen konstant bleiben, unabhängig davon, wo der Spinat angebaut wird.

Genau darauf ist das Konzept „Spinach 365“ ausgelegt:

Verschiedene Sorten werden so kombiniert, dass sie unter unterschiedlichen Anbaubedingungen vergleichbare Ergebnisse ermöglichen.

Mehr Tempo durch Zusammenarbeit

Doch gute Eigenschaften allein reichen nicht. Da sich die Anforderungen des Marktes ständig wandeln, müssen Züchterinnen und Züchter nicht nur die richtigen Merkmale entwickeln, sondern entsprechende Sorten auch schnell auf den Markt bringen.

„Eine der Stärken von KWS ist die Fähigkeit, dynamisch auf Marktentwicklungen zu reagieren“, sagt Mark Charlesworth. „Nicht selten vergehen vom ersten vielversprechenden Hybrid bis zur Markteinführung nur rund zwei Jahre, manchmal sogar nur 18 Monate.“ Ein starker Kontrast zu vielen Ackerkulturen, bei denen dieser Zeitraum durchschnittlich zehn Jahre beträgt. „Die Herausforderung besteht darin, dieses hohe Tempo mit der richtigen Genetik, verlässlicher Saatgutqualität und Lieferfähigkeit entlang der gesamten Kette zu verbinden.“

Möglich wird das auch durch einen Entwicklungsansatz, der wichtige Partner früh einbindet. KWS testet neue Linien und Sortenkandidaten gemeinsam mit Anbaubetrieben, Verarbeitern und integrierten Produzenten unter lokalen Bedingungen. So fließen Versuchsdaten und Rückmeldungen aus der Praxis früh in die Entwicklung ein. Auch dank dieses Ansatzes ist KWS heute international führend im Bereich Spinat.

Dass ein Spinatblatt leicht auf die Gabel passt, also „forkable“ ist, mag auf den ersten Blick wie ein Detail erscheinen. Tatsächlich ist Spinatzüchtung immer ein komplexes Spiel unterschiedlichster Anforderungen. Denn erst wenn Anbau, Verarbeitung, Handel und Verzehr zusammengedacht werden, entstehen Sorten, die vom Feld bis auf die Gabel überzeugen.