Weitblick

Matthias Christian Rabbethge
(1804 – 1902)

#celebreed170

Unternehmerischer Mut, wissenschaftliche Neugier und langfristiges Denken prägen die Geschichte von KWS. Was als Zuckerfabrik in der Magdeburger Börde begann, ist heute eines der international führenden Pflanzenzüchtungsunternehmen.

Pflanzenzüchtung ist kein Geschäft für schnelle Erfolge. Neue Sorten entstehen nicht in Wochen oder Quartalen, sondern über viele Jahre hinweg. Der für erfolgreiche Züchtung so wichtige Weitblick zeichnet KWS seit der Gründung im Jahr 1856 aus.

Den Grundstein legte der Landwirt Matthias Christian Rabbethge in Klein Wanzleben. Er erkannte früh das Potenzial der Rübenzuckerindustrie und sicherte sich die Mehrheit an einer Zuckerfabrik. Sein Sohn Matthias Rabbethge jun. startete als Erster in Deutschland mit der systematischen Züchtung von Zuckerrüben und stellte so die Weichen für das, was KWS bis heute ausmacht: ein auf hochwertiges Saatgut spezialisiertes Pflanzenzüchtungsunternehmen.

Vom „Zuckerdorf“ in die Welt

Um 1900 boomte der Zuckermarkt, ertragreiches Saatgut war gefragt, und KWS expandierte erstmals international. In der Ukraine, damals das weltweit wichtigste Anbaugebiet für Zuckerrüben, entstand der erste Auslandsstandort.

Doch der Erste Weltkrieg brachte wirtschaftliche Einbußen. Das Unternehmen stellte sich breiter auf, um unabhängiger von einzelnen Kulturarten und Marktschwankungen zu werden. Neben Zuckerrüben kam nun die Züchtung von Futterrüben, Getreide und Kartoffeln hinzu.

Den tiefsten Einschnitt brachte das Ende des Zweiten Weltkriegs. Als sich abzeichnete, dass Klein Wanzleben Teil der sowjetischen Besatzungszone werden würde, stand die Existenz des Unternehmens auf dem Spiel. 1945 transportierte das britische Militär die Gründerfamilien und rund 60 Tonnen Saatgut nach Einbeck in Niedersachsen. Dort musste KWS zwar quasi von vorn beginnen, konnte aber dank der Zuckerrübensorte „Kleinwanzlebener E“ schnell an frühere Erfolge anknüpfen.

Neuanfang in Einbeck: Zu den ersten Bauten am neuen Standort zählte ein großes Speichergebäude.

Immer wieder neu gedacht

Auch nach dem Neuanfang entwickelte sich KWS konsequent weiter: Züchtungsprogramme für Mais sowie Öl- und Eiweißpflanzen wie Raps und Sonnenblumen entstanden. 1968 erwarb KWS eine Mehrheitsbeteiligung an der Ferdinand-von-Lochow-Petkus GmbH, dem damals größten deutschen Züchtungsunternehmen für Getreide, und bündelte die Züchtungsprogramme für Weizen, Gerste, Roggen und Hafer. Damit wurde die Getreidezüchtung ein festes Standbein. Neben dem Portfolio wuchs auch die internationale Präsenz stetig.

Ein wichtiger Schritt war die Übernahme von Pop Vriend Seeds im Jahr 2019, mit der KWS den Grundstein für das Geschäftsfeld Gemüse legte. In der Folge wurde ein internationales Netzwerk von Züchtungsstandorten in Europa und Lateinamerika aufgebaut und neue Forschungs- und Entwicklungsstrukturen geschaffen. Langfristig will sich KWS auch im Gemüsesaatgut als führender Züchter etablieren.

KWS ist bis heute ein Familienunternehmen. Diese Eigentümerstruktur schafft Unabhängigkeit und ermöglicht Freiräume für Entscheidungen, die weit über kurzfristige Marktzyklen hinausgehen.

170 Jahre nach den Anfängen durch Matthias Christian Rabbethge betreibt KWS Züchtungsprogramme für mehr als 20 Kulturarten und ist weltweit in über 70 Ländern vertreten. Mehr als 700 KWS Beraterinnen und Berater allein in Europa unterstützen Betriebe als „Seed Partner“ mit regional angepassten Sorten und agronomischem Know-how. Das Ziel ist bis heute dasselbe: einen Beitrag zu einer leistungsfähigen und resilienten Landwirtschaft für heutige und kommende Generationen zu leisten.

Als Pflanzenzüchter lebt KWS seit jeher von Diversität: sowohl in der Genetik, die die Grundlage unserer Arbeit bildet, als auch bei den Menschen, die jeden Tag mit Leidenschaft etwas bewegen.

Dr. Felix Büchting | Vorstandssprecher von KWS